Kälte, trockene Heizungsluft und wenig Tageslicht – der Winter stellt die Wundheilung vor besondere Herausforderungen. Die Haut wird spröde, die Durchblutung sinkt, das Immunsystem arbeitet auf Sparflamme. Für Menschen mit chronischen Wunden bedeutet das: erhöhte Aufmerksamkeit und angepasste Versorgung. Mit den richtigen Maßnahmen kommen Sie und Ihre Wunde gut durch die kalte Jahreszeit.

Warum Winter die Wundheilung bremst

Unser Körper reagiert auf Kälte mit einem Schutzmechanismus: Die Blutgefäße in der Haut verengen sich, um Wärme im Körperkern zu halten. Für die Wundheilung ist das ungünstig – denn weniger Blut bedeutet weniger Sauerstoff und Nährstoffe an der Wunde.

  • Reduzierte Durchblutung: Kälte verengt die Gefäße – besonders an Händen, Füßen und Unterschenkeln. Genau dort, wo chronische Wunden am häufigsten auftreten
  • Trockene Haut: Heizungsluft entzieht der Haut Feuchtigkeit. Trockene Haut reißt schneller, juckt mehr und ist anfälliger für neue Verletzungen
  • Weniger Bewegung: Im Winter bewegen sich die meisten Menschen weniger – schlecht für Durchblutung und Wundheilung
  • Geschwächtes Immunsystem: Wenig Tageslicht, Vitamin-D-Mangel und Erkältungswellen belasten die Abwehr
  • Dickere Kleidung: Mehrere Schichten können auf Verbände drücken und Reibung verursachen

Hautpflege im Winter – die Basis

Im Winter ist intensive Hautpflege noch wichtiger als sonst. Die Haut um die Wunde braucht besonderen Schutz:

  • Häufiger eincremen: Mindestens zweimal täglich mit einer reichhaltigen, parfümfreien Lotion. Harnstoff (Urea 10%) bindet Feuchtigkeit besonders gut
  • Nach dem Waschen sofort pflegen: Wasser verdunstet und trocknet die Haut zusätzlich aus – direkt nach dem Waschen eincremen
  • Nicht zu heiß duschen: So verlockend es ist – heißes Wasser entfettet die Haut massiv. Lauwarm reicht
  • Lippen und Hände schützen: Dünne Hautstellen trocknen als erstes aus. Handcreme und Lippenpflege griffbereit halten
  • Raumluft befeuchten: Schale mit Wasser auf die Heizung, Luftbefeuchter oder feuchte Handtücher aufhängen

Kompression im Winter

Die gute Nachricht: Kompressionsstrümpfe tragen sich im Winter angenehmer als im Sommer. Trotzdem gibt es Besonderheiten:

  • Morgens anziehen bleibt Pflicht: Auch wenn das Aufstehen im kalten Schlafzimmer schwerer fällt. Beine schwellen auch im Winter
  • Strümpfe vor dem Anziehen anwärmen: Kurz auf die Heizung legen – dann gleiten sie besser über kühle Haut
  • Anziehhilfen nutzen: Kalte Finger haben weniger Kraft und Grip. Gummihandschuhe helfen enorm
  • Hautpflege abends: Eincremen nach dem Ausziehen der Strümpfe – die Haut braucht im Winter extra Feuchtigkeit
  • Nicht weglassen: Auch unter Winterhosen und Stiefeln müssen die Strümpfe getragen werden. Spezialisierte Sanitätshäuser wie Lettermann beraten zu dünneren Modellen, die unter Winterstiefeln passen

Verbandwechsel bei Kälte

Der Verbandwechsel im Winter verdient besondere Aufmerksamkeit:

  • Raum vorheizen: Die Wunde kühlt bei jedem Verbandwechsel aus. Ein warmer Raum (mindestens 22°C) verkürzt die Zeit, die der Körper braucht, um die Wunde wieder auf Heilungstemperatur zu bringen
  • Wundspüllösung anwärmen: Kalte Spüllösung auf eine Wunde ist unangenehm und kühlt zusätzlich aus. Flasche vorher in lauwarmem Wasser erwärmen (nicht über 37°C)
  • Zügig arbeiten: Je schneller der neue Verband sitzt, desto weniger kühlt die Wunde aus. Material vorher bereitlegen
  • Pflaster haften schlechter: Kalte, trockene Haut ist weniger klebrig. Silikonbasierte Fixierung oder Schlauchverbände sind zuverlässiger

Ernährung in der kalten Jahreszeit

Im Winter neigen viele Menschen zu einseitiger Ernährung – mehr Kohlenhydrate, weniger frisches Obst und Gemüse. Für die Wundheilung ist das ungünstig:

  • Eiweiß: Bleibt der wichtigste Baustoff für die Heilung. Hülsenfrüchte, Milchprodukte, Eier – auch im Eintopf und Auflauf
  • Vitamin C: Paprika, Kohl, Zitrusfrüchte – gerade jetzt wichtig für Kollagenbildung und Immunabwehr
  • Vitamin D: Im Winter produziert die Haut kaum Vitamin D. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über eine Supplementierung – Vitamin D unterstützt das Immunsystem und die Wundheilung
  • Zink: In Vollkornprodukten, Nüssen und Käse. Wichtig für Zellteilung und Immunabwehr
  • Ausreichend trinken: Auch ohne Durst! Trockene Heizungsluft entzieht dem Körper Flüssigkeit. Mindestens 1,5 Liter täglich

Bewegung trotz Kälte

Der innere Schweinehund ist im Winter besonders stark. Aber Bewegung bleibt einer der wichtigsten Heilungsfaktoren:

  • Spaziergang bei Tageslicht: Selbst 15 Minuten mittags helfen – Licht hebt die Stimmung und Vitamin-D-Produktion
  • Indoor-Alternativen: Sitzgymnastik, Treppensteigen, Ergometer, Yoga – Hauptsache Bewegung
  • Fußwippen im Sitzen: Aktiviert die Wadenmuskelpumpe und fördert den venösen Rückfluss
  • Warm anziehen: Mehrere dünne Schichten statt einer dicken. So können Sie Kleidung anpassen ohne auf den Verband zu drücken
  • Sturzgefahr: Bei Glätte besonders vorsichtig – ein Sturz kann neue Wunden verursachen. Festes Schuhwerk, ggf. Spikes

Physiotherapie-Praxen wie LettsFit bieten auch im Winter Bewegungsprogramme an, die auf Wundpatienten abgestimmt sind.

Besondere Risiken im Winter

Erfrierungen und Kälteschäden

Patienten mit Polyneuropathie (diabetischer Fuß) oder Durchblutungsstörungen (pAVK) spüren Kälte an den Füßen nicht richtig. Erfrierungen können unbemerkt entstehen. Warme, gefütterte Schuhe und Wollsocken (nicht einengend!) sind Pflicht.

Erkältungen und Grippe

Jede Infektion belastet das Immunsystem und lenkt Ressourcen von der Wundheilung ab. Grippeimpfung in Betracht ziehen, Hände waschen, Menschenansammlungen meiden wenn möglich.

Winterblues

Wenig Licht, Einsamkeit und eingeschränkte Mobilität – der Winter verstärkt die psychische Belastung bei chronischen Wunden. Achten Sie auf Warnsignale und scheuen Sie sich nicht, Hilfe zu suchen.

Winter-Checkliste für Wundpatienten

  • ☑️ Hautpflege verstärken (Urea-Creme, häufiger eincremen)
  • ☑️ Raumluft befeuchten
  • ☑️ Kompression weiter tragen – auch unter Winterkleidung
  • ☑️ Raum vorheizen vor dem Verbandwechsel
  • ☑️ Wundspüllösung anwärmen
  • ☑️ Eiweißreich essen, Vitamin D besprechen
  • ☑️ Täglich bewegen – auch drinnen
  • ☑️ Warme Schuhe bei Neuropathie
  • ☑️ Grippeimpfung erwägen
  • ☑️ Auf die Psyche achten
Heilen Wunden im Winter langsamer?

Ja, tendenziell. Kälte verengt die Blutgefäße und reduziert die Durchblutung. Mit angepasster Pflege lässt sich der Effekt minimieren.

Soll ich im Winter die Wundspüllösung anwärmen?

Ja. Erwärmen Sie die Flasche in lauwarmem Wasser auf Körpertemperatur (maximal 37°C).

Brauche ich im Winter mehr Hautpflege?

Ja. Mindestens zweimal täglich mit Urea-Lotion eincremen und Raumluft befeuchten.


Fragen zur Wundversorgung im Winter? WundSTARK – ICW-zertifizierte Wundzentren in Viersen und Mönchengladbach beraten Sie individuell. Kompressionsversorgung bei Sanitätshaus Lettermann.


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