Kompressionsstrümpfe sind eines der wirksamsten Mittel bei Venenschwäche und chronischen Wunden an den Beinen – aber nur, wenn sie richtig sitzen. Und genau da liegt das Problem: Viele Patienten kämpfen jeden Morgen mit dem Anziehen, tragen die Strümpfe falsch oder lassen sie irgendwann ganz weg. Dabei gibt es Techniken und Hilfsmittel, die den Alltag deutlich erleichtern.

Warum es auf die richtige Technik ankommt

Ein Kompressionsstrumpf, der Falten wirft, einschneidet oder rutscht, schadet mehr als er nützt. Falten erzeugen Druckstellen, Einschnürungen stauen das Blut und ein rutschender Strumpf verliert seine Wirkung. Richtig angezogen verteilt der Strumpf den Druck gleichmäßig – fest am Knöchel, abnehmend nach oben. Nur so funktioniert die Kompressionstherapie.

Schritt für Schritt: Kompressionsstrümpfe anziehen

Der beste Zeitpunkt

Morgens, direkt nach dem Aufstehen. Die Beine sind über Nacht abgeschwollen und der Strumpf lässt sich am leichtesten anziehen. Wer vorher duscht: Beine danach gründlich abtrocknen und 5–10 Minuten mit hochgelegten Beinen warten, bis die Feuchtigkeit verdunstet ist. Auf leicht feuchter Haut rutscht nichts.

Die Grundtechnik (ohne Anziehhilfe)

  1. Strumpf wenden: Greifen Sie in den Strumpf und fassen Sie die Ferse von innen. Stülpen Sie den Strumpf bis zur Ferse um – es entsteht eine Art „Tasche“.
  2. Fuß einführen: Setzen Sie den Fuß in die Fersentasche. Die Ferse muss genau in der Fersenposition sitzen – nicht höher, nicht tiefer.
  3. Über den Knöchel ziehen: Rollen Sie den Strumpf gleichmäßig über den Knöchel nach oben. Nicht zerren, nicht ziehen – rollen!
  4. Etappenweise hocharbeiten: In kleinen Abschnitten (5–10 cm) den Strumpf nach oben rollen. Dabei immer den gesamten Umfang gleichmäßig erfassen.
  5. Falten glätten: Am Ende alle Falten ausstreichen – besonders in der Kniekehle und am Knöchel.
  6. Sitz kontrollieren: Ferse sitzt in der Fersentasche? Spitze nicht verdreht? Keine Falten? Kein Einschneiden am Oberschenkel?

Anziehhilfen – die Rettung im Alltag

Es gibt keinen Grund, sich jeden Morgen zu quälen. Anziehhilfen machen das Anziehen deutlich einfacher – besonders bei höheren Kompressionsklassen, eingeschränkter Beweglichkeit oder Kraftmangel in den Händen.

Gleitanziehhilfen (offene Systeme)

Ein Metallgestell, über das der Strumpf gespannt wird. Der Fuß gleitet hinein, und der Strumpf wird beim Hochziehen des Gestells automatisch über das Bein gerollt. Ideal für Oberschenkelstrümpfe und Strumpfhosen. Beispiele: medi Butler, Sigvaris Doff N‘ Donner.

Gleitsocken und Anziehhilfen für Flachstrick

Bei Flachstrick-Versorgungen (maßgefertigte Kompression bei Lymphödem) helfen spezielle Gleitsocken: Eine glatte Kunstfasersocke wird zuerst angezogen, der Kompressionsstrumpf gleitet darüber. Danach wird die Gleitsocke durch die offene Spitze herausgezogen.

Gummihandschuhe

Der einfachste Trick: Haushaltshandschuhe mit Noppen. Sie verbessern den Grip enorm und machen es leichter, den Strumpf zu greifen und hochzuziehen. Kosten unter 3 Euro und sind die effektivste Mini-Hilfe.

Tipp: Anziehhilfen werden auf Rezept von der Krankenkasse bezahlt! Fragen Sie in Ihrem Sanitätshaus nach einer Beratung – dort können Sie verschiedene Modelle ausprobieren und das passende finden. Sanitätshäuser wie Lettermann bieten individuelle Anpassung und Einweisung.

Häufige Fehler – und wie Sie sie vermeiden

  • „Ich ziehe den Strumpf erst nach dem Frühstück an“ – Zu spät! Die Beine schwellen schon nach wenigen Minuten Stehen an. Morgens sofort anziehen.
  • „Ich creme vorher ein“ – Lotion macht die Haut rutschig, der Strumpf hält nicht. Cremen Sie abends ein, morgens anziehen.
  • „Der Strumpf schneidet ein, also rolle ich den Rand um“ – Umgerollte Ränder erzeugen doppelten Druck und schnüren ab. Dann passt der Strumpf nicht – Nachvermessung nötig.
  • „Im Sommer lasse ich die Kompression weg“ – Gerade im Sommer schwellen Beine stärker. Es gibt dünnere Sommermodelle.
  • „Der Strumpf rutscht“ – Ursachen: falscher Sitz, ausgeleierte Haftränder oder falsches Maß. Nicht akzeptieren – Sanitätshaus aufsuchen.

Ausziehen – auch das will gelernt sein

  • Abends ausziehen – nicht beim Schlafen tragen (außer ärztlich verordnet)
  • Umstülpen statt ziehen: Oberen Rand nach außen umschlagen und den Strumpf Stück für Stück nach unten rollen
  • Ausziehilfen: Es gibt spezielle Ausziehgestelle – besonders hilfreich bei eingeschränkter Beweglichkeit
  • Danach Beine pflegen: Eincremen, Haut kontrollieren, Druckstellen dokumentieren

Pflege der Strümpfe

  • Täglich waschen bei 30–40°C mit Feinwaschmittel (kein Weichspüler!)
  • Nicht in den Trockner – an der Luft trocknen lassen
  • Zwei Paar bestehen: Eines tragen, eines waschen. Sie haben Anspruch auf zwei Paar pro Halbjahr auf Rezept
  • Alle 6 Monate erneuern: Kompressionsstrümpfe leiern aus und verlieren ihre Wirkung

Probleme mit Ihren Kompressionsstrümpfen? Sanitätshaus Lettermann berät Sie an 9 Standorten am Niederrhein. Bei Wundversorgung hilft WundSTARK in Viersen und Mönchengladbach.


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