Rund 8 Millionen Menschen in Deutschland leben mit Diabetes – und jeder vierte entwickelt im Laufe seines Lebens ein Problem an den Füßen. Das Tückische: Durch Nervenschäden spüren viele Betroffene Verletzungen nicht mehr. Aus einem kleinen Riss wird eine offene Wunde, aus einer offenen Wunde wird im schlimmsten Fall eine Amputation. Jedes Jahr sind es 40.000 in Deutschland – und Experten schätzen, dass die Hälfte vermeidbar wäre.

Die gute Nachricht: Mit fünf einfachen Regeln können Sie Ihre Füße schützen. Jeden Tag. Ohne großen Aufwand.

Warum Diabetes die Füße gefährdet

Ein dauerhaft erhöhter Blutzucker schädigt über Jahre zwei Systeme, die für gesunde Füße entscheidend sind:

  • Nerven (Polyneuropathie): Das Schmerzempfinden lässt nach. Ein Stein im Schuh, eine Blase, eine Druckstelle – nichts davon wird gespürt. Gleichzeitig wird die Haut trocken und rissig, weil die Schweißproduktion nachlässt
  • Blutgefäße (Angiopathie): Die Arterien verengen sich. Weniger Blut bedeutet weniger Sauerstoff – Wunden heilen langsamer oder gar nicht

Die Kombination ist gefährlich: Verletzungen entstehen unbemerkt, und der Körper kann sie nicht mehr reparieren. Mehr dazu in unserem ausführlichen Ratgeber zum diabetischen Fußsyndrom.

Regel 1: Jeden Tag Füße kontrollieren

Die wichtigste Regel überhaupt. Schauen Sie sich jeden Tag Ihre Füße an – auch die Unterseite und zwischen den Zehen. Wenn Sie sich nicht bücken können, nutzen Sie einen Spiegel oder bitten Sie jemanden um Hilfe.

Worauf achten:

  • Rötungen, Druckstellen, Blasen
  • Risse, Einrisse, kleine Wunden
  • Verfärbungen (dunkel, bläulich, weiß)
  • Schwellungen oder Überwärmung
  • Hornhaut-Veränderungen und Hühneraugen
  • Verformungen der Zehen (Krallenzehen, Hammerzehen)

Merke: Was Sie nicht spüren, müssen Sie sehen. Die tägliche Kontrolle dauert zwei Minuten – und kann eine Amputation verhindern.

Regel 2: Füße richtig pflegen

Diabetische Haut ist trocken, rissig und verletzlich. Die richtige Pflege schützt diese natürliche Barriere:

  • Täglich waschen: Lauwarmes Wasser (maximal 37°C – mit Thermometer prüfen, da das Temperaturempfinden gestört sein kann!), milde Seife. Nicht länger als 3–5 Minuten – zu langes Einweichen trocknet aus
  • Gründlich abtrocknen: Besonders zwischen den Zehen! Feuchtigkeit fördert Pilzinfektionen
  • Eincremen: Füße täglich mit harnstoffhaltiger Creme (Urea 10%) eincremen – aber nicht zwischen den Zehen
  • Nägel richtig schneiden: Gerade schneiden, Ecken leicht abrunden. Nicht zu kurz! Bei Problemen: medizinische Fußpflege
  • Keine Selbstbehandlung: Hühneraugen, Hornhaut und eingewachsene Nägel gehören zum Podologen – niemals selbst mit Schere, Hobel oder Hühneraugenpflaster arbeiten

Tipp: Podologische Behandlung (medizinische Fußpflege) wird bei Diabetes mit Nervenschäden auf Rezept von der Krankenkasse übernommen. Fragen Sie Ihren Hausarzt danach.

Regel 3: Die richtigen Schuhe tragen

Falsche Schuhe sind Ursache Nummer eins für Druckstellen und Wunden am diabetischen Fuß. Und weil die Nerven geschädigt sind, merken Sie den Druck nicht – bis die Wunde da ist.

  • Schuhe nachmittags kaufen: Füße schwellen im Tagesverlauf an – nachmittags sind sie am größten
  • Genügend Platz: Vor den Zehen sollte eine Daumenbreite Platz sein. Keine spitzen Schuhe
  • Weiche Materialien: Weiches Leder oder Stoff – kein hartes Kunstleder
  • Keine Nähte innen: Innennähte erzeugen Reibung und Druckstellen
  • Neue Schuhe einlaufen: Maximal 30 Minuten am ersten Tag, langsam steigern
  • Schuhe vor dem Anziehen kontrollieren: Hand hineingreifen – Steinchen, Falten in der Einlage?
  • Niemals barfuß: Auch nicht zu Hause, am Strand oder im Hotelzimmer. Leichte Hausschuhe mit fester Sohle

Bei Fußfehlstellungen oder nach einer Wunde haben Sie Anspruch auf orthopädische Diabetiker-Schutzschuhe auf Rezept. Spezialisierte Sanitätshäuser wie Lettermann vermessen Ihre Füße und fertigen individuelle Einlagen an – ein wichtiger Baustein der Prävention.

Regel 4: Blutzucker im Zielbereich halten

Klingt selbstverständlich, ist aber die wichtigste langfristige Maßnahme. Jeder Prozentpunkt weniger beim HbA1c reduziert das Risiko für Nervenschäden deutlich.

  • HbA1c-Zielwert: In Absprache mit Ihrem Diabetologen – meist unter 7,0%
  • Regelmäßig messen: Blutzucker-Tagebuch oder Sensor (CGM/FGM)
  • Medikamente konsequent nehmen: Auch wenn Sie sich gut fühlen
  • Ernährung anpassen: Ausgewogen, ballaststoffreich, wenig Zucker
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung verbessert die Blutzuckerwerte und die Durchblutung – doppelt gut für die Füße
  • Nicht rauchen: Rauchen verengt die Gefäße zusätzlich und potenziert die Schäden bei Diabetes massiv

Regel 5: Regelmäßig zum Arzt – auch ohne Beschwerden

Warten Sie nicht, bis ein Problem auftritt. Regelmäßige Kontrollen erkennen Veränderungen, bevor eine Wunde entsteht:

  • Mindestens 1x jährlich: Fußuntersuchung beim Diabetologen oder Hausarzt – Sensibilität, Durchblutung, Fußform
  • Bei erhöhtem Risiko: Alle 3–6 Monate Kontrolle
  • Bei einer Wunde: Sofort zum Arzt – nicht abwarten! Eine Wunde am diabetischen Fuß ist immer ein Notfall
  • Podologe: Regelmäßige professionelle Fußpflege – alle 4–6 Wochen

Und wenn trotz aller Vorsorge eine Wunde entsteht: Nicht verzweifeln. In einem spezialisierten Wundzentrum kann der diabetische Fuß mit modernen Methoden versorgt werden – von individuellen Wundauflagen über Kaltplasma-Therapie bis zur Druckentlastung.

Zusammenfassung: 5 Regeln auf einen Blick

  1. Füße täglich kontrollieren – was Sie nicht spüren, müssen Sie sehen
  2. Füße richtig pflegen – waschen, trocknen, eincremen, Nägel zum Podologen
  3. Passende Schuhe tragen – niemals barfuß, Schuhe vor dem Anziehen prüfen
  4. Blutzucker im Griff behalten – jeder Prozentpunkt zählt
  5. Regelmäßig kontrollieren lassen – auch ohne Beschwerden zum Arzt

Diese fünf Regeln kosten wenig Zeit – aber sie können Ihren Fuß retten.

Wie oft sollte ich als Diabetiker meine Füße kontrollieren?

Täglich. Schauen Sie sich jeden Tag Ihre Füße an – auch die Unterseite und zwischen den Zehen. Nutzen Sie bei Bedarf einen Spiegel. Die Kontrolle dauert nur zwei Minuten und kann schwere Komplikationen verhindern.

Zahlt die Krankenkasse die Fußpflege bei Diabetes?

Ja, bei nachgewiesener Nervenschädigung (Polyneuropathie) übernimmt die Krankenkasse die Kosten für podologische Behandlung (medizinische Fußpflege). Ihr Hausarzt oder Diabetologe stellt die Verordnung aus.

Darf ich als Diabetiker barfuß laufen?

Nein. Durch die Nervenschäden spüren Sie Verletzungen nicht – ein Steinchen, eine Glasscherbe oder eine heiße Fläche können unbemerkt schwere Wunden verursachen. Tragen Sie immer geschlossene, gut sitzende Schuhe oder Hausschuhe mit fester Sohle.

Was tun wenn ich als Diabetiker eine Wunde am Fuß entdecke?

Sofort zum Arzt oder in ein spezialisiertes Wundzentrum. Eine Wunde am diabetischen Fuß ist immer ein Notfall – auch wenn sie klein aussieht und nicht schmerzt. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser die Heilungschancen und desto geringer das Amputationsrisiko.


Diabetischer Fuß? WundSTARK – ICW-zertifizierte Wundzentren in Viersen und Mönchengladbach versorgen diabetische Fußwunden mit modernsten Methoden. Für Einlagen und Schutzschuhe: Sanitätshaus Lettermann an 9 Standorten am Niederrhein.


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