Eine Strahlentherapie kann Leben retten – aber auch die Haut nachhaltig schädigen. Ein Strahlenulkus (Radiodermatitis-Ulkus) ist eine chronische Wunde, die als Spätfolge einer Bestrahlung entsteht. Sie kann Wochen, Monate oder sogar Jahre nach der Krebsbehandlung auftreten und ist besonders schwer zu behandeln.
Wie entsteht ein Strahlenulkus?
Ionisierende Strahlung schädigt nicht nur Tumorzellen, sondern auch gesundes Gewebe im Bestrahlungsfeld. Die Strahlung verändert die DNA der Hautzellen und Blutgefäße dauerhaft:
- Gefäßschäden: Kleine Blutgefäße verengen sich oder verschließen – die Durchblutung sinkt
- Fibrose: Das Gewebe vernarbt und verhärtet sich
- Stammzellverlust: Die Haut kann sich schlechter regenerieren
- Dünne, brüchige Haut: Die bestrahlte Haut wird dauerhaft empfindlicher
Schon eine kleine Verletzung im bestrahlten Bereich kann dann zu einer Wunde führen, die nicht mehr heilt.
Akute vs. chronische Strahlenwunden
Akute Radiodermatitis tritt während oder kurz nach der Bestrahlung auf: Rötung, Schwellung, Blasenbildung, feuchte Abschilferung. Diese heilt nach Ende der Bestrahlung meist ab.
Chronisches Strahlenulkus entsteht als Spätfolge – manchmal erst Jahre später. Das Gewebe ist so geschädigt, dass es sich nicht mehr selbst reparieren kann. Diese Wunden sind besonders therapieresistent.
Betroffene Bereiche
- Brust/Brustwand – nach Bestrahlung bei Brustkrebs
- Kopf und Hals – nach Bestrahlung von Tumoren im HNO-Bereich
- Beckenbereich – nach Bestrahlung gynäkologischer oder urologischer Tumoren
- Extremitäten – nach Bestrahlung von Weichteiltumoren
Behandlung
Die Versorgung eines Strahlenulkus erfordert besondere Expertise. Moderne Wundauflagen, die ein feuchtes Milieu schaffen, sind die Basis. Zusätzlich können hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) und Kaltplasma-Therapie die Durchblutung und Zellregeneration im geschädigten Gewebe fördern. In schweren Fällen ist eine plastisch-chirurgische Deckung mit Lappenplastik notwendig.
Vorsorge während der Bestrahlung
- Hautpflege: Bestrahlte Haut mit milden, parfümfreien Produkten pflegen
- Sonnenschutz: Bestrahlte Haut dauerhaft vor UV-Strahlung schützen (LSF 50+)
- Mechanische Reize vermeiden: Keine enge Kleidung, kein Kratzen
- Frühzeitig melden: Veränderungen im Bestrahlungsfeld dem Arzt zeigen
